Das Schnarchen (Rhonchopathie) ist in der erwachsenen Bevölkerung weit verbreitet. Das Schnarchen ist für den Patienten selbst ungefährlich, jedoch für die betroffenen Mitmenschen zum Teil erheblich störend. Das harmlose Schnarchen ist von der sogenannten obstruktiven Schlafapnoe zu unterscheiden, deren Leitsymptom das Schnarchen darstellt.
Das obstruktive Schlafapnoesyndrom (OSAS) ist gekennzeichnet durch wiederholte Episoden der Obstruktion der oberen Atemwege, die während des Schlafes auftreten und gewöhnlich mit einem Absinken des Sauerstoffgehaltes im Blut einhergehen. Die partielle oder kompletten Verlegung der oberen Atemwege führt zu Atemstillständen, die durch eine Weckreaktion (arousal) beendet werden. Dadurch wird der physiologische Schlafrhythmus gestört, der Schlaf ist nicht erholsam, Tagesmüdigkeit und Konzentrationsstörungen sind die Folge.
Als Ursachen für eine Einengung des Luftweges und für die Entstehung von unterschiedlich stark ausgeprägten Atemgeräuschen während des Schlafes kommen verschiedene anatomische Regionen in Betracht. Gelegentlich liegen auch kombinierte Beeinträchtigungen vor.
Nase
- Nasenscheidewandverkrümmung
- Vergrößerung der unteren und teilweise auch mittleren Nasenmuscheln von den Nasennebenhöhlen ausgehende Polypenbildung
- Schleimhautschwellungen durch Allergien
Nasenrachen
- Schleimhautschwellungen
- Zysten
- Vergrösserte Rachenmandel
Mundhöhle und Rachen
- Vergrößerte Gaumenmandeln
- Schlaffe, tief stehende Gaumenbögen
- Langes, schlaffes Zäpfchen (Uvula)
- Zungengrundyperplasie
Kehlkopf
- Weicher, abnorm geformter Kehldeckel
Die Diagnostik des Schnarchens setzt eine genaue Erhebung der Anamnese voraus. Neben der Erhebung der individuellen Schlafgewohnheiten können vielfach schon durch das genaue Befragen des Patienten und/oder seines Schlafpartners Hinweise gewonnen werden, ob möglicherweise zusätzlich ein OSAS vorliegt. Ergeben sich Verdachtsmomente für ein OSAS, so muss in einem speziellen Schlaflabor eine sog. Polysomnographie (= Messung aller für die Schlafstadien relevanten Daten einschließlich Atmungs- und Kreislaufparameter) durchgeführt werden.
Die Diagnostik schließt immer eine HNO-ärztliche Untersuchung von Nase, Nasenrachen, Mundhöhle, Rachen und Kehlkopf unter Zuhilfenahme von flexiblen und starren Endoskopen ein, um die für das Atemgeräusch verantwortlichen Engstellen im Bereich der oberen Atemwege zu identifizieren.
Die Therapie
Die Therapie richtet sich im Wesentlichen nach der Lokalisation der primären Obstruktion. Bei einigen Patienten ist die Behandlung an verschiedenen Orten der oberen Atemwege erforderlich.
Allgemeinmaßnahmen
- Gewichtsabnahme
- Vermeidung einer sehr späten Nahrungsaufnahme
- Reduktion des abendlichen Alkoholkonsums
- Einnahme einer günstigen Schlafposition
- Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus
- Kühle Schlafzimmertemperatur
Konservative Therapiemaßnahmen
- Der Goldstandard in der Therapie schlafbezogener Atmungsstörungen ist die nasale Überdruckbeatmung.
Durch den kontinuierlichen positiven Atemdruck (CPAP 0 continous positive airway pressure) wird der kollabierende Atemweg leicht aufgebläht und offengehalten. Als Nachteile der alleinigen Maskenbehandlung sind die persönliche Beeinträchtigung des Patienten durch das Tragen der Maske und das auch für den Schlafpartner störende Maschinengeräusch zu nennen. Häufig ist vor einer Maskenanpassung auch eine operative Korrektur im Bereich der Nase und des Nasenrachens erforderlich.
- Allergiebehandlung
Operative Therapiemaßnahmen
Die operativen Behandlungsmaßnahmen richten sich vor allem nach der Lokalisation und dem Ausmaß der Obstruktion der oberen Atemwege:
Nase
- Begradigung der Nasenscheidewand
- Korrektur von Naseneingangsstenosen
- Laserchirurgische Verkleinerung der unteren Nasenmuscheln
- Endonasale Nasennebenhöhlenoperation bei chronisch-polypöser Sinusitis
Die genannten Eingriffe führen zu einer Verbesserung der Nasenatmung und damit zu einer Reduktion der nächtlichen Mundatmung mit Verbesserung des habituellen Schnarchens. Zudem führt eine optimierte Nasenventilation zu einer besseren Anpassung einer eventuell notwendigen CPAP-Maske.
Nasenrachen
- Abtragung von von Schleimhautwucherungen oder Zysten
- Resektion von den Nasenrachen einengenden Raumforderungen (z.B. Polypen)
Mundhöhle und Rachen
- Uvulopalatopharyngoplastik (UPPP) mit/ohne Tonsillektomie
- Laser-assistierte Uvulopalatoplastik (LAUP) mit/ohne Tonsillektomie
Durch die konventionell-chirurgischen und laserchirurgische Straffung des weichen Gaumens wird eine Vergrößerung des zu engen veleopharyngealen Abstandes erzielt. Bei der Resektion der überschüssigen Schleimhaut ist stets darauf zu achten, dass die Gaumenmuskulatur geschont wird. Häufig wird die Operation mit einer beidseitigen Tonsillektomie (=Entfernung des Gaumenmandeln) kombiniert, um dem Raum im Rachen optimal zu vergrößern. Die Uvula (=Zäpfchen) wird gekürzt, wodurch das Schnarchgeräusch in vielen Fällen deutlich reduziert werden kann.
Als Vorteile der laserchirurgischen Operationstechnik sind die reduzierte Blutungshäufigkeit, eine Schmerzreduktion sowie eine geringere Krankenhausverweildauer zu nennen.
Laserchirurgische Zungengrundreduktion
Die Verkleinerung eines hyperplastischen Zungengrundes erfolgt durch die Mundhöhle unter mikroskopischer Kontrolle mit dem CO2-Laser. Mit dieser Technik ist eine übersichtliche, blutungsarme Resektion von überschüssigen Schleimhautanteilen möglich. Die Zungengrundmuskulatur sollte zur Vermeidung von teilweise sehr heftigen Nachblutungen aber auch aus funktionellen Gründen unbedingt vermieden werden.
Kehlkopf
Laser-assistierte Epiglottopexie (=Fixierung des zu weichen Kehldeckels am Zungengrund, so dass eine Verlegung des Kehlkopfeinganges beim Einatmen verhindert wird).
Bei schwer ausgeprägten Formen eines obstruktiven Schlafapnoesyndroms ist eine Tracheotomie (=Luftröhrenschnitt) erforderlich, da mit dieser Maßnahme alle Obstruktionsorte umgangen werden
Da das Ausmaß der Atemstörungen und/oder des Schnarchens von verschiedenen Faktoren, wie Alter, Geschlecht, Gewicht, Alkoholkonsum, u.a. mitbeeinflusst wird, sind nach erfolgter Therapie regelmäßige Kontrolluntersuchungen erforderlich.


