Akute und chronische Nasennebenhöhlenentzündungen (Sinusitis)

Anhaltender Schnupfen, Nasenatmungsbehinderung, Schmerzen und/oder Druck im Wangen-, Stirn-, Augenbereich, vermehrtes Sekret in Nase und Rachen sind mögliche Erkrankungszeichen einer Nasennebenhöhlenentzündung.

Sollten diese Beschwerden trotz Behandlung eines grippalen Infektes anhalten, ist eine fachärztliche Untersuchung zur eingehenden Diagnostik und Klärung der Ursachen notwendig, um eine gezielte Therapie einleiten zu können und um Komplikationen zu verhüten.

Bei immer wiederkehrenden Beschwerden oder chronisch polypösen Sinusitiden kann eine gezielte Ursachenbehandlung eingeleitet werden. Ein therapeutischer Nihilismus ist nicht angebracht. Selbstlimitierung und Selbstheilungskräfte sind wenig belegt.

Tatsache ist, daß Versäumnisse in der Therapie schwerwiegende, z.T. lebensgefährliche Komplikationen zur Folge haben können.

Die Marburger Univ.-Klinik für HNO-Heilkunde befaßt sich intensiv mit der konservativen und operativen Therapie der akuten und chronischen Nasennebenhöhlenentzündung.

Einteilung nach Lokalisation

Definition

Bei der Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis), handelt es sich um einen entzündlichen Prozeß in den von der Nase ausgehenden Nebenhöhlen. Sie ist eine der häufigsten Erkrankungen überhaupt.

Nach dem Verlauf unterscheidet man eine akute Entzündung von der chronischen Form mit einer übermäßigen Schleimhautschwellung, die zu den sogenannten Polypen führt. Diese sind nicht mit den "Polypen" im Kindesalter zu verwechseln. Mit letzteren ist eine vergrößerte Rachenmandel gemeint.

a - Entzündung der Stirnhöhlen: Sinusitis frontalis
b - Entzündung der Siebbeinzellen: Sinusitis ethmoidalis
c - Entzündung der Keilbeinhöhle: Sinusitis sphenoidalis
d - Entzündung der Kieferhöhlen: Sinusitis maxillaris

Entzündung aller Nasennebenhöhlen: Pansinusitis

Ursachen

Nicht alle Menschen erkranken gleich häufig an einer Sinusitis. Sie tritt häufiger bei engen Nasenhaupthöhlen, einer Nasenscheidewandverbiegung, Vergrößerung der Nasenmuscheln oder der Rachenmandel auf, weiterhin bei Allergien, Zahnentzündungen u.a.. 

Eine akute Sinusitis ist häufig durch Viren bedingt. Erwachsene erkranken durchschnittlich zwei bis drei Mal im Jahr, Kinder öfter. Aufgrund der mangelnden gezielten Therapiemöglichkeiten der einzelnen Viren ist eine Virusdiagnostik eher zur Beurteilung der epidemiologischen Situation wichtig. Bedeutsam ist jedoch die frühe Erkennung von sekundären bakteriellen Zusatzinfektionen. Wenn sich der anfänglich glasige oder weißliche Schleim gelb oder grünlich färbt oder wenn der Schnupfen länger als zwei bis drei Wochen anhält, deutet dies auf eine eitrige Sinusitis hin.

Bei einer Entzündung der Nasenschleimhaut schwillt auch die Schleimhaut um die Ausführungsgänge der Nasennebenhöhlen an. Dies ist auch bei der chronischen Sinusitis mit Polypenbildung der Fall. Es kommt zu Stau von Schleim in den Nebenhöhlen, der als Nährboden für Bakterien dient.

Verläßliche Aussagen über das Keimspektrums bakterieller Erreger sind vielfach nur über Nebenhöhlenpunktionen, d.h. über einen direkten Zugang zu einer Nasennebenhöhle, zu erreichen. Abstriche aus der Nase sind oft fehlerhaft, zumal sich auf der Schleimhaut der Nase auch Keime finden, die nicht immer für die Entzündung ursächlich sind.

Bei akuten Sinusitiden finden sich häufig Hämophilus influenca und Streptococcus pneumoniae als Erreger, deutlich seltener sind Streptococcus pyogenes, Branhamella catarrhalis und Staphylococcus aureus.
In 5 bis 15% der Fälle geht eine akute Sinusitis von anaeroben Bakterien wie Bacteroides melanogenicus, Peptostreptokokken aus. Häufig ist in solchen Fällen eine Zahnentzündung der Ausgangsherd. Bei chronischen Sinusitiden ist das Keimsprektrum vielfältiger. Anaerobier kommen in bis zu 50% der Erkrankungen vor.

Schmerzlokalisation

Erkrankungszeichen

Die Erkrankungszeichen (Symptome) können von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sein. In der Regel sind sie bei der akuten Sinusitis ausgeprägter als bei der chronischen. Leitsymptom ist ein Druckgefühl und/oder Schmerz, der sowohl über der betroffenen Nasennebenhöhle empfunden als auch fortgeleitet werden kann.

1 - Entzündung der Stirnhöhlen, Sinusitis frontalis: Stirn, Schläfen
2 - Entzündung der Siebbeinzellen, Sinusitis ethmoidalis: hinter und zwischen den Augen
3 - Entzündung der Kieferhöhlen, Sinusitis maxillaris: Oberkiefer, Ausstrahlung in die Zähne
4 - Entzündung der Keilbeinhöhle, Sinusitis sphenoidalis: Hinterkopf, Schläfen

Beim Bücken tritt häufig eine Schmerzverstärkung auf. Die Nasenatmung ist vielfach behindert. Sekret kann über die Nase oder den Nasenrachen ablaufen. Bei akuten Formen tritt Fieber hinzu.

Komplikationen

Die Entzündung kann von den Nebenhöhlen auf andere Strukturen übergreifen. Eine Schwellung der Lider zeigt einen Übertritt auf das Auge an. Sehstörungen bedürfen in vielen Fällen einer sofortigen Operation der ursächlichen Nebenhöhle. Hirnhautentzündungen und Hirnabszesse sind möglich, ebenso eine Knochen- und Weichteilentzündung. Durch Abtropfen von eitrigem Sekret im Nasenrachen können Entzündungen von Rachen, Kehlkopf und Bronchien entstehen.

Diagnostik

Bei der klinischen Untersuchung findet sich bei der akuten Sinusitis ein Druck oder Klopfschmerz über der betroffenen Nebenhöhle. Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt kann bei der genauen Untersuchung des Naseninneren eine entzündliche Schleimhautschwellung, Eiter oder Polypen finden. Prädisponierende Faktoren wie eine Nasenscheidewandverbiegung oder eine Vergrößerung der Nasenmuscheln werden ebenfalls ersichtlich.

Ein genauerer Einblick in die Ausführungsgänge läßt sich mit Lupeninstrumenten erzielen. Bei speziellen Fragestellungen kommen weitere Untersuchungsmethoden zur Anwendung. Zur Verlaufskontrolle akuter Sinusitiden kann eine Ultraschalluntersuchung der Nebenhöhlen dienen. Bei Bedarf kann auch eine Untersuchung der Entzündungswerte im Blut durchgeführt werden. Halten die Beschwerden trotz eingeleiteter Behandlung an, kann ein Keimnachweis zur Erstellung eines Antibiogramms (Austestung der wirksamen Antibiotika) erfolgen. Bei Komplikationen sowie vor einer Operation wird ein Computertomogramm der Nebenhöhlen durchgeführt.

Therapie

Therapie der akuten Sinusitis:
Da bei einem Schnupfen die Schleimhautschwellung in der Nase die Verlegung der Nasennebenhöhlenzugänge bedingt, muß zu allererst eine Abschwellung der Schleimhaut erreicht werden.
Dies ist nur mit abschwellenden Nasentropfen möglich. Tropfen oder Spray sollten unter ärztlicher Kontrolle so oft angewendet werden, daß stets eine freie Nasenatmung besteht. Zusätzlich können schleimlösende Medikamente von Nutzen sein.

Bei starken Schmerzen ist die Gabe von Schmerzmitteln sinnvoll. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, daß nur Mittel eingenommen werden, die die Blutgerinnung nicht beeinflussen. Auf Medikamente, die Acetylsalicylsäure enthalten, sollte vor allem im Vorfeld möglicher Operationen, z.B. bei eingetretenen Komplikationen verzichtet werden, da derartige Medikamennte die Blutgerinnung beeinflussen.

Der Verlauf einer eitrigen Sinusitis kann durch eine richtige Antibiotikatherapie entscheidend beeinflußt werden. Das Medikament sollte dem zu erwartenden Keimspektrum angemessen sein. Die Behandlung einer akuten Sinusitis erfolgt anders als bei einer chronischen, doch kann es auch bei einer chronischen Sinusitis zu zusätzlichen eitrigen Infektionen kommen.

Therapie der chronischen Sinusitis:
Das Ausmaß der chronischen Sinusitis kann z.B. anhand eines Computertomogramms festgestellt werden.

Zur medikamentösen Therapie leichter Formen oder bei Kontraindikationen für eine Operation können Kortisonpräparate geeignet sein, welche direkt in der Nase wirken. Ihre Aufnahme in den Körper ist in der Regel in Spuren zu erwarten. Nebenwirkungen auf den Gesamtorganismus durch eine Anwendung in der Nase werden als unwahrscheinlich angesehen. Eine ärztliche Kontrolle der Anwendung ist unumgänglich. Bei ausgeprägten Befunden und den oben genannten Beschwerden ist oftmals eine operative Entfernung der erkrankten Schleimhaut sinnvoll. Diese Operationen können fast immer durch die Nase vorgenommen werden.

Sowohl bei immer wiederkehrenden akuten Sinusitiden als auch bei der chronisch polypösen Sinusitis sollte eine Ursachenbekämpfung erfolgen. Eine Allergiediagnostik kann nicht bekannte Allergien aufdecken. Diese können dann gezielt medikamentös oder mittels einer Hyposensibilisierung behandelt werden. Andere Untersuchungen lassen eine Überempfindlichkeit gegen Acetylsalicylsäurepräparate (z.B. Aspirin®) erkennen. Ungünstige anatomische Gegebenheiten, wie vergrößerte Nasenmuscheln, Engstellen zu den Nebenhöhlenöffnungen, Rachenmandeln und andere (s.o.) können gezielt chirurgisch angegangen werden.

Zusammenfassung

Bei immer wiederkehrenden Beschwerden oder chronisch polypösen Sinusitiden kann eine gezielte Ursachenbehandlung eingeleitet werden. Ein therapeutischer Nihilismus ist nicht angebracht. Selbstlimitierung und Selbstheilungskräfte sind wenig belegt. Tatsache ist, daß Versäumnisse in der Therapie schwerwiegende, z.T. lebensgefährliche Komplikationen zur Folge haben können.

 
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